KOSMOPOLIS 24-25/2013 „Weltenbummler“ auf der Frankfurter Buchmesse 2013 bei „Books on Brazil“

WeltenbummlerNZ
Weltenbummler im 21. Jahrhundert werden bis auf die Knochen durchleuchtet.
Warnung vor Landwirtschaftskontrolle im Flughafen Auckland, Neuseeland.
Foto R & U Daus, 2012

Zwei der berühmtesten Weltenbummler verdanken wir den Gebrüdern Grimm. Die Protagonisten von „Hans im Glück“ und „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ repräsentieren die beiden extremen Pole dieser Spezie im deutschen Sprachraum. Während die Franzosen des 19. Jahrhunderts in Literatur und Kunst dem eleganten Flaneur, dem Stadtbummler, huldigten, suchten die romantischen Geister aus den provinziellen deutschen Kleinstaaten ihr Heil in der weiten Welt.
Einer Weltenbummlerin oder einem Weltenbummler ist die Reise selbst wichtiger als das Ziel. Sie oder er kann offen und flexibel auf die am Wegesrand auftauchenden Eindrücke und Erlebnisse reagieren. Das Zeitbudget und die Aufnahmefähigkeit scheinen unbegrenzt.
Der von festen Orts- und Zeitvorgaben gehetzte Pauschaltourist des 21. Jahrhunderts hält sich oftmals ebenfalls für einen Weltenbummler, nämlich dann, wenn sein Reiseziel nur weit genug von der Heimat entfernt liegt. So fühlten sich zum Beispiel die Musiker einer bayrischen Blaskapelle ganz weltenbummlerisch, weil sie der reguläre Flugplan von Neuseeland mit einem Zwischenstopp auf der polynesischen Insel Rarotonga zurück nach Europa führte.
Die Weltenbummler, denen sich unsere Autorinnen und Autoren widmen, sind keine Zufallsreisenden. Sie ließen sich entlang ihrer Reiserouten auf vielerlei Impressionen ein, wie der französische Maler Paul Jacoulet in Japan und Mikronesien, wie der berühmte Einwickelkünstler Christo in Abu Dhabi, wie weitgereiste Architekten und Designer auf der Suche nach einem neuen Stil für das 21. Jahrhundert in Acapulco. Eine andere Sorte von Weltenbummlern finden sich in den Drogenkurieren zwischen Mexiko, den USA und Europa oder in ihren Bossen und anderen Unterweltsgestalten, die auf der ständigen Suche nach Möglichkeiten einer „sauberen“ Geldanlage sind.
Unsere Leserinnen und Leser erwarten in dieser Ausgabe Geschichten von Weltenbummlern sowohl der schönen Künsten als auch der schweren Verbrechen.
red

Aus dem Inhalt:

Ronald Daus ( Prof. für Romanistik, Freie Universität Berlin): Vom Mißverständnis des Weltenbummelns im 21. Jahrhundert

Peter Waldmann (Prof. em. für Soziologie, Universität Augsburg): Drogenhandel in Mexiko. Zur Erklärung und Kontrolle ausufernder Gewalt

Peter B. Schumann (Publizist, Arbeitsschwerpunkt Lateinamerika, Berlin) im Gespräch mit dem brasilianischen Schriftsteller João Ubaldo Ribeiro: „Wir waren mehr als literarische Allesfresser“

Ursula Daus (Soziologin und Architekturkritikerin, Berlin): Acapulco – El nuevo gran retro oder Auf der Suche nach einem Goldenen Zeitalter im 21. Jahrhundert

Luis Pulido Ritter (Schriftsteller, Panama/Berlin): Afropanameños – eine unsichtbare Minderheit?

Neue Bücher aus den Verlagen: Taschen, Kehrer, Hirmer, Harrassowitz, Hatje Cantz, jovis

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