Neuerscheinungen bei BABYLON Metropolis Studies und in anderen Verlagen 2017/2018

Ronald und Ursula DAUS

DURBAN – ESSAY ÜBER DIE KARRIERE EINER WELTSTADT

Durban - Coverblog

Die Monographie „Durban – Essay über eine Weltstadt im toten Winkel“ erscheint zum 30jährigen Jubiläum der ersten Stadtmonographie unseres Verlages im Jahr 1987: „Manila – Essay über die Karriere einer Weltstadt“ von Ronald Daus. Ihr sollten zwischen 1987 und 2017 in der Reihe „Großstädte Außereuropas“ weitere siebzehn Bände folgen.

Die Studie zeigt an exemplarischen Stationen den Werdegang der Stadt von ihren Anfängen am Rio de Natal – angeblich am Weihnachtstag 1497 so benannt von dem portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama auf seinem Weg nach Indien – über ihre britische Ära im 19. Jahrhundert, in welchem sie ihres Namens Port Natal verlustig ging und in D‘Urban/Durban umbenannt wurde, bis zur aktuellen Megametropole eThekwini Metropolitan Area, ihrer Bezeichnung in der Sprache der Zulu. Seefahrer, Reisende, Literaten, Künstler und Wissenschaftler erzählen von diesem Werdegang, ihrer sich ständig ändernden Gestalt in Architektur und Design, dem über Jahrhunderte gewachsenen Lebensstil zwischen stammesmäßig organisierten Zulus, konservativen Buren, imperialen Briten, zwangsrekrutierten indischen Zuwanderen, Abenteurern, Kolonialkriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen, Apartheidsgegnern und sonnenhungrigen Tourismusscharen.

Berühmte Einheimische prägten ihre Geschichte, wie etwa Nelson Mandela, der in der Nähe von Durban nach dem Besuch einer verbotenen Anti-Apartheid-Versammlung im Haus der indischen Apartheidsgegnerin Fatima Meer im Jahr 1962 von der Geheimpolizei verhaftet wurde. Fremde, die per Zufall mit ihr in Berührung kamen, wie der US-amerikanische Humorist Mark Twain, der indische Anwalt und Widerstandskämpfer Mahatma Gandhi oder der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, hinterließen ihre Spuren.

Das Durban des 21. Jahrhunderts versucht den aufreibenden Spagat zwischen der Rettung einer europäischen Stadtgründung des 19. Jahrhundert und ihrer Fortentwicklung zu einer Megametropole im 21. Jahrhundert mit den Bedürfnissen einer multiethnischen Gesellschaft in Einklang zu bringen. Deren schwarze Mehrheit fühlt sich noch immer in großem Maße von den Wohltaten dieser Entwicklung ausgeschlossen. Darüberhinaus möchte die geschätzt 3,5 bis 4 Millionen Einwohner zählende Hafenstadt am Indischen Ozean endlich im großen Orchester der global agierenden Weltstädte gleichberechtigt und anerkannt mitspielen.

Aus dem Inhalt: 

  • Zum Begriff der Weltstadt
  • Durban – ein „Weltstadt“-Sonderfall von der Gründung bis zur Gegenwart  
  • Die Bewohner und ihr Habitat  
  • Literarische Stadttouren und künstlerische Reflexionen  
  • Kunst-Sinn und Design-Gefühl einer multiethnischen Metropole  
  •  Eine „Weltstadt im toten Winkel“ sucht die globale Herausforderung  
  • Selbstvergewisserung: „Durban – ein Paradies“?

Über die Autoren: 

Ronald Daus (*1943), Seit 1970 Universitätsprofessor für Romanistik an der Freien Universität Berlin und Metropolenforscher. Er unternahm zahlreiche Forschungsreisen durch alle Kontinente und lehrte als Gastprofessor u.a. in Mexiko-Stadt, Singapur, Manila, Guam und Tahiti. Buchpublikationen u.a.: „Zorniges Lateinamerika – Selbstdarstellung eines Kontinents“ (1973); „Die Erfindung des Kolonialismus. Die Portugiesen in Asien“ (1983); „Manila – Essay über die Karriere einer Weltstadt“ (1987); „Großstädte Außereuropas“ (Bd. 1-3, 1990-1997); „Kolonialismus extrem. Geschichten vom Roten Meer – Bilder vom Pazifik“ (1998); „Strandkultur statt Stadtkultur. Die Metropolen des Mittelmeers zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ (2000); „Banlieue – Freiräume in europäischen und außereuropäischen Großstädten“ (Bd. 1-2, 2002-2003); „La Guajira. Wie ein wildes Land erzählt wird“ (2006); „Weltstädte“ (Bd. 1-3, 2006-2008); „Neue Stadtbilder – Neue Gefühle“ (Bd. 1-3, 2010-2012); „Die Spanier im Pazifik – Reloaded. 1520-2015“ (mit Ursula Daus, 2013); „Die Erfindung des Kolonialismus – Revisited“ (2014).

Ursula Daus (*1953), Dipl.-Soziologin und Architekturkritikerin. Von 1980 bis 1990 Redakteurin von „DAIDALOS – Architektur Kunst Kultur“, Bertelsmann, Berlin. Seit 1997 Chefredakteurin von „KOSMOPOLIS – Interkulturelle Zeitschrift aus Berlin“, Opitz Verlag, Berlin. Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, u.a. „DAIDALOS – Architektur Kunst Kultur“, Berlin; „Bauwelt“, Berlin; „Baumeister“, München; „Lettre International“, Berlin/Madrid; „Kyoto Journal“, Kyoto; „mare – Zeitschrift der Meere“, Hamburg. . Buchpublikationen u.a.: „Neues aus der Fließenden Welt. Japanische Ästhetik zum Ende des 20. Jahrhunderts“ (1998); „Ein trügerisches Idyll. Vom Lebensstil am Kap der Guten Hoffnung“ (2000); „Am Äquator. Tagebuch einer Forschungsreise durch Zentralafrika“ (2002); „Sehnsucht nach der Moderne. Tropisches Art Déco 1925-1950“ (2004); „Die modernen Barbaren im Westen Chinas“ (2007, 2. Auflage 2010); „Die Völker Polynesiens im 21. Jahrhundert“ (2010); „Die Erfindung paradiesischer Inseln. Der Indische Ozean im 21. Jahrhundert“ (2012); „Die Spanier im Pazifik – Reloaded. 1520-2015“ (mit Ronald Daus, 2013); „Neo-Eklektizismus. Auf der Suche nach einer Ästhetik für das 21. Jahrhundert“ (2015).

190 S., 64 Abb., Bibliographie.  ISBN 978-3-925529-34-4  37 €.

BABYLON Metropolis Studies. URSULA OPITZ VERLAG, Berlin 12/2017  

 

PARIS MEGALOMAN

Mit „Grand Paris Express“ möchte die französische Hauptstadt bis 2030 das größte städtebauliche Projekt Europas realisieren: 200 Kilometer neue vollautomatisierte Metro-Linien mit 68 „futuristischen“ Stationen, die sich reibungsfrei in das bestehende Netz aus RER, U-Bahn, und Buslinien einfügen. Diese urbane Transformation soll sowohl von architektonischen Leuchttürmen als auch von künstlerischen und kulturellen Projekten begleitet werden.

Passgenau zu dieser vollmundigen Ankündigung der „Société du Grand Paris“ im Frühjahr 2017 erschien im Rotpunktverlag die Studie von Günter Liehr „Grand Paris. Eine Stadt sprengt ihre Grenzen“. „12 urbane Exkursionen“ sollen auch Nicht-Kenner von Paris in die historische und aktuelle Stadttextur einführen, auf denen dann die Einschätzungen der Neuplanungen sowohl aus Sicht einiger kritischer Pariser als auch aus der Warte des Autors diskutiert werden.

Im vorletzten Kapitel folgt das Abschmettern all dieser als megaloman empfundenen städtebaulichen Veränderungen unter der Überschrift: „Propaganda und Proteste“ und den Unterkapiteln: „Gigantische Perspektiven“ und „Dubai ante Portas“.

Das letzte Kapital stellt immerhin die Frage: „Besseres Leben für alle?“ Die mit dem Stadtumbau eingeleitete Dynamik soll die sozialen Ungleichgewichte zwischen dem etablierten Paris und seiner bis heute abgehängten Banlieue ausgleichen. Doch die Unterkapitel „Gentrifizierung der Banlieue“ und „Verspätungstrauma“ zeigen auch hier die zukünftigen Verlierer bereits auf. Alle, die sich bisher in den Vorstädten in ihrem elenden Alltag eingerichtet hatten, werden noch weiter an den Rand der riesigen Agglomeration von derzeit mehr als 12 Millionen Bewohnern verdrängt werden. Was also tun? Die Frage bleibt weiter unbeantwortet – von den Initiatoren des „Grand Paris“-Projekts genauso wie von den Kritikern.    red

Grand Paris. Eine Stadt sprengt ihre Grenzen, von Günter Liehr. 296 S. Fotos und Planungen. 36 €. Rotpunktverlag, Zürich 2017

 

ANSICHTEN DER VERLORENHEIT

After the Fall“. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Shagan, Mittelkasachstan.
Foto © Dieter Seitz 2016.

Mit dem Fotoband „Nomads Land“ legt der deutsche Fotograf Dieter Seitz seinen subjektiven Blick auf die Details eines durch zahlreiche historische Brüche im 20. Jahrhundert verunsicherten Landes. Das rohstoffreiche Kasachstan ist nach Ansicht des Künstlers auf einem holprigen Weg seiner Selbstfindung, seit es vor 26 Jahren seine Unabhängigkeit von dem mächtigen Sowjetreich wiedererlangte.

Verfall, Verwahrlosung und Verödung werden übertüncht mit postmoderner Gebäude-Megalomanie, ausuferndem Kitsch sowie historischen und landschaftlichen Reminiszenzen der eigenen Geschichte und Region.

Die „Asphalt-Kasachen“, wie die neuen Stadtbewohner genannt werden, kennen die Steppe oft nur noch von bunten Fotomotiven auf Baustellenplastikplanen oder Werbepostern. Oft sprechen sie selbst ihre kasachische Sprache nur noch rudimentär. Russisch ist die Lingua Franca der unterschiedlichen Ethnien, die das weite Land von der Größe Westeuropas bewohnen.

Die Vereinzelung der Menschen zeigt sich schon beim Ablichten trauriger in die endlose, scheinbar horizontlose Weite starrenden Kinderaugen. Denn dort, wo einst die Zuz (Horde, kasachische Stammesförderation) das Leben des Individuums bestimmte und ein „Zuhause“ bereitstellte, bricht sich heute der Blick an verwitterten Betonmauern aus der Sowjetära, verrostenden Karrosserien oder beklebten Bauzäunen.

Der „eurasische Mensch“– so bezeichnet der auf Lebenszeit gewählte Staatspräsident die einst das Steppenland bewohnenden Nomaden, die Oralmani, die Russen, die wenigen verbliebenen ethnischen Deutschen oder Koreaner – wird im 21. Jahrhundert ein von modernsten Technologien bestimmtes Stadtleben führen und zu einer großartigen Regionalmacht zwischen Europa und China aufsteigen.

Dem deutschen Fotografen Dieter Seitz erschließt sich diese Sicht auf die Bewohner dieses zentralasiatischen Steppenlands nicht.

Ursula Daus

Nomads Land. The Kazakhstan Project, Fotos von Dieter Seitz, Essay von Markus Kaiser. 160 S. Deutsch/Englisch. 40 €. HatjeCantz, Berlin 2017

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