Eindrucksvolle Eigenständigkeit: Der „Modernisme“ in Mallorca

 

Villa im Vorort  Gènova bei Palma  im mallorquinischen Modernisme.
Foto R & U Daus, 2018

Der modernisierende Architekturstil um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachte in den Großstädten Europas wie Barcelona, Wien, Paris, Glasgow, Brüssel, London, St. Petersburg oder Riga hervorragende Beispiele eigenständiger Varianten des Bauens hervor. Im Zuge der Industrialisierung Europas setzten die Architekten für Wohn- und Geschäftsgebäude auf eine lokale Formenvielfalt, die auch künstlerischen Ansprüchen genügen sollten. Auch wenn diese Architekturausprägung jeweils einen eigenen Namen erhielt – in Österreich waren es die „Wiener Sezessionisten“, in Deutschland der „Jugendstil“, in Frankreich und Belgien das „Art Nouveau“, in Italien der „stilo liberty“, in Schottland und England der „Modern Style“ – war den Gestaltern in erster Linie die Rückkehr des handwerklich-künstlerischen Arbeitens ihrer Zunft ein Anliegen.

In Katalonien bildete sich so der „Modernisme“ heraus, dessen berühmtester Vertreter Antoni Gaudí i Cornet (1852-1936) wurde. Er engagierte sich in Mallorca jedoch nicht als Architekt, sondern als Künstler. Er schuf eine eigenwillige Interpretation der Kreuzigung Christi für die Kathedrale von Palma und entwarf ein eher traditionell ausgerichtetes Mosaik vor dem Eingangsportal (1904-1910).

Den eigentlichen Beginn des mallorquiner „Modernisme“ findet man in der ersten Phase der Entwicklung des Tourismus auf der Insel. Berühmtestes Beispiel für diesen Baustil wurde somit ein Gebäude der touristischen Infrastruktur: das „Gran Hotel“ (1903) an der Plaça Weyler, außerhalb der Altstadt, mitten im Zentrum der neugeschaffenen Geschäftsstadt. Sein Architekt war der aus Barcelona stammende Lluís Domènech i Montaner (1849-1923). Noch fehlte den einheimischen Baumeistern nach Ansicht der Investoren anscheinend die ausreichende Erfahrung für ein derartiges Großprojekt. Die eher mit historizistischem Dekor und Fayencen überladene Fassade läßt wenig ahnen von der Finesse im Inneren des Gebäudes. Die Ausstattung der Zimmer und Suiten entsprachen dem allerneuesten Stand in Design und Technik. 70 Jahre später stand das Gebäude verlassen da und wurde erst 1993 unter großem Aufwand denkmalgerecht renoviert und in ein Kulturzentrum verwandelt.

Mit dem Bau des „Gran Hotel“ veränderte sich jedoch auch die Auftragssituation für die mallorquiner Architekten. Außerhalb Palmas entstanden neue Sommerfrischen wie etwa in Cala Mayor oder Gènova. 1906 eröffnete das Hotel „Príncipe Alfonso“, erbaut nach einem Entwurf des aus Palma stammenden Architekten Gaspar Bennássar (1869-1933). Das Gebäude besteht aus mehreren, voneinander unabhängigen Bauteilen. Der Fassadenschmuck reicht von bäuerlichen Fayencen bis zu Imitationen von Ziegeldekor und Arabesken aus der Alhambra in Granada.

Fassadendetail des Hotel „Príncipe Alfonso“, 1906 erbaut und aktuell vom Abriß bedroht.
Foto R & U Daus, 2018

Den Hotelbauten folgten Privatvillen im nun anerkannten „mallorquischen“ Stil. Die meist zweistöckigen Gebäude besaßen breite Fensterfronten mit reichem Außendekor, einen kleinen, minarettartigen Turmbau mit offener Veranda und reichverzierten eisernen Gartentoren. Palmen und Blütenbüsche sollten ein idyllisches Ambiente vortäuschen in den sehr eng bebauten, teuren Grundstücken. Die meisten dieser architektonischen Kleinode wurden für 20stöckige Apartmentblöcke abgerissen. Nur noch einige wenige haben, sorgfältig renoviert, dem Tourismus- und Bau-Boom widerstanden, der die Insel Mallorca seit mehr als 40 Jahren heimsucht.                                         Ursula Daus

Weiterführende Literatur: Tomàs Vibot, El Modernisme a Mallorca. Guia per a una descoberta, El Gall Editor, Pollença 2014. http://www.elgalleditor.com

 

Foto©Sebastian Copeland/Courtesy of CAMERA WORK

 

Im Ewigen Eis? Fotografien von Sebastian Copeland in Berlin

Bis 1. Dezember 2018 zeigt die Galeire CAMERA WORK in extremen Großformaten eine Auswahl von Fotografien des New Yorker Fotografen Sebastian Copeland (*1964). Er hat sich nach einer Karriere als Musikvideo-Regisseur und Fashion-Label-Fotograf ganz auf die Abbildung der eisigen Polarkappen oder auch der Eiswüsten Grönlands spezialisiert.

Voraussetzung für diese Annäherung an einen sich permanent verändernden Naturzustand sind offensichtlich ein im Extremsport gestählter Körper und der Mut, ihn den Herausforderungen solcher Expeditionen zu opfern. Das Ergebnis ist in Berlin zu bestaunen. Seine Naturbilder, die in ihrer Vollendung an die abstrakten Idealformen der Geometrie erinnern, belegen einmal mehr, daß die Grundlage allen geistigen Fortschritts das Vorhandensein unserer tatsächlichen Umwelt darstellt. Nur so kann sich auch die Menschheit weiterentwickeln. Ist diese Grundlage zerstört, werden den Menschen die natürlichen Vorbilder zu genialen Zukunftsideen abhanden kommen.

Sebastian Copeland nutzt seine weltumspannende Bekanntheit, um auf die konkrete Gefahr der Zerstörung dieser besonders anfälligen Erdregionen durch den Klimawandel aufmerksam zu machen.                                         red

Sebastian Copeland. Bis 1. Dezember 2018 bei CAMERA WORK, Berlin. http://www.camerawork.de

Advertisements