Herbst-Neuerscheinung bei BABYLON Metropolis Studies

 

„Auslegerboote am Strand der Insel Ponam“. Admiralitätsinseln, heute Provinz Manus, Papua-Neuguinea. Foto Alfred Bühler, 1932.

Ronald & Ursula Daus

Von der Kunst, in stürmischer See nicht zu kentern. Die Manus der Admiralitätsinseln im 21. Jahrhundert

Im Januar 2019 erhielt der kurdisch-iranische Journalist und Schriftsteller Behrouz Boochani gleich zwei wichtige australische Literaturpreise, darunter den „Victorian Prize for Literature“ für sein poetisches Sachbuch „No Friend But The Mountains. Writing From Manus Prison“. Darin beschreibt er sezierend und ergreifend den Alltag in den geschlossenen Flüchtlingslagern von Manus, die die australische Regierung auf der abgelegenen Südpazifikinsel für Asylsuchende eingerichtet hatte, die vor der australischen Küste aufgegriffen wurden. Obwohl die Lager 2017 schließen mußten, harrt ein Großteil der Flüchtlinge weiterhin auf Manus aus, darunter auch Behrouz Boochani.

Die Welt nimmt Anteil am unmenschlichen Schicksal der Flüchtlinge. Geradezu Stillschweigen breitet sich jedoch aus, wenn es um die Interessen der Manus-Bewohner selbst geht, deren Heimat in der Weltpresse als „Pazifischer Gulag“, „Drecksloch“ oder „Hölle im Pazifik“ bezeichnet wird. Den Manus von den Admiralitätsinseln wurde seit den ersten Kontakten mit europäischen Seefahrern ein besonderes Image aus Neugierde, Aufgeschlossenheit und Intelligenz bescheinigt. Da sie selbst keine schriftlichen Zeugnisse über diese für sie so einschneidende Epoche hinterließen, nehmen wir die aus vier Jahrhunderten überlieferten Texte, Bilder und ethnographischen Artefakte und konfrontieren sie einerseits mit aktuellen Aussagen von Manus-Bewohnern wie der Anthropologin Michelle Nayahamui Rooney, andererseits mit „Testimonios“ von Nicht-Manus aus Literatur, Wissenschaft und Medien.

Aus dem Inhalt:

I. Die Inseln: Vulkane, Atolle, Meer
II. Die Bewohner: „Papu“ – Manus, Matankol, Usiai
III. Der Konakt: „Entdecker“, Abenteurer, Künstler
IV. Die Anpassung: Geschäfte, Verwaltung, „Zivilisation“
V. Das alte Weltbild: Vom „Suppenteller“ zum Globus
VI. Das neue Weltbild: Von der Weltläufigkeit zur „einsamen Lagune“

182 S., 56 Abb., Bibliographie, Karten, Ortsregister    

ISBN 978-3-925529-36-8   37 €

 

Leseprobe:

… Eine umso größere Rolle spielt der Chauka im Leben der Manus-Bewohner. Er findet sich auf der Flagge der Manus-Provinz, leiht der lokalen Radiostation seinen Namen mit dem Slogan „Maus Blong Chauka“, Die Stimme von Chauka, und zierte von altersher Werkzeuge, Waffen und Haushaltgegenstände.

Seine Weltbedeutung erhielt der emblematische Vogel jedoch nicht durch einen ornitologischen „Hype“, sondern als Namensgeber eines Dokumentarfilms über das Flüchtlingsgefängnis auf Ma- nus. In „Chauka, Please Tell Us The Time“, Chauka, bitte sage uns die Zeit, 2017, erzählt der kurdisch-iranische „Flüchtlingsgefangene“ Boochani vom unerträglichen Warten hinter dem Zaun des Lagers, hinter den Metallwänden der Schlafcontainer, in den schmalen Gängen zwischen den Containern und in der erdrückenden Hoffnungslosigkeit. Der Film wurde heimlich mit einem Smartphone gedreht und von dem iranischen Exilregisseur Sarvestani in Amsterdam, 15 000 Kilometer von seinem Entstehungsort, aufbereitet. Er wurde seither mit großer Unterstützung und nicht endenwollenden Beifallsbekundungen der Weltpresse und der Zuschauer bei Festivals in London, Melbourne, Berlin, Sydney und den USA gezeigt: „Chauka, Please tell us the time: Chauka singt. Die Melodie wandert weiter/Chauka schreit/Singt/Schreit//Schreien und Singen verbinden sich in der Stimme des Vogels/Ein Moment Stille/Chauka schreit noch einmal/Eine Harmonie entsteht durch Schreien/ Ein Lärm, der in die tiefsten Tiefen des Dschungels reicht/In die tiefsten Höhlen/Schreie steigen aus den Kehlen aller Vögel der Manus-Insel auf/Alle Vögel von Manus erzeugen eine Symphonie/Alle erreichen ihren Höhepunkt in der Stimme des Chauka.“

Die Manus-Bewohner hingegen sehen unglücklich-hilflos diesem unerfreulichen Weltruhm ihres Wappentiers zu. Und was sie noch mehr erzürnt, ist, daß die Einzelzelle im Flüchtlingslager den Namen „Chauka“ trägt. Vor der Welt dient ihre Insel sozusagen als Mülldeponie für die Probleme eines anderen Landes und beschmutzt das Ansehen von Manus. Von einem Symbol der Selbstbestimmung wurde Chauka zu einem Sinnbild von „Regierungsmacht, Geheimniskrämerei und Unfreiheit“, schreibt die aus Manus stammende Anthropologin Michelle Nayahamui Rooney in ihrem Essay „The Chauka bird and morality on our Manus Island home“, Der Chauka und die Moral auf unserer Heimatinsel Manus, im Februar 2018. Den Dokumentarfilm „Chauka, Please Tell Us The Time“ des kurdisch-iranischen „Flüchtlingsgefangenen“ Boochani empfindet sie als den erneuten Ruf des Chauka nach Freiheit.

Mit ihrem Gedicht „Chauka, yu we?“ „Chauka, wo bist Du?“ reagierte sie auf poetische Weise auf den Verlust der Harmonie in der Manus-Gesellschaft durch die Präsenz des australischen Flüchtlingslagers auf ihrer Insel. „Maus bilong Chauka“:

„Belo pairap, skul i pinis. Mi harim solwara i bruk long nambis. Mi smelim solwara long win. Mi lap wantem ol wanskul na kalap. Solwara pulap long maus blo mi. Chauka i singaut.
Mi lap na hamamas. Olsem liklik pis. Ol brata na sista pilai long nambis.
Mi kalap lon bas i go long Lombrum. Solwara olsem glas long loniu pasis i silip sore; isi isi stret solwara karim bas lon Loniu Bris. Solwara karim mipla go long Lolak Bris. Chauka i singaut. Long apinun bas i ron go bek lon taun. Win i pas long pes blo mi. Mi smelim solwara. San i go daun.

Sun kamap taim blo skul. Harim news na toksave lang Redeo Manus, ‚maus bilong chauka i hamamas tasol long autim ol news na toksave. Em i maus bilong Chauka‘. Chauka i singaut. Ol nasi na papu stap. Mipela vokabaut i go long skul. Solwara i buruk long nambis. Chauka i singaut. Kirap silip kaikai, na wokabout wantem Chauka. Hamamas, kros, na wok. Wok kastam, wok mani, wok gavman, wok lotu. Chauka i singaut.“

„Die Stimme von Chauka“:
„Die Glocke läutet, die Schule ist aus. Ich höre die Wellen am Strand. Ich rieche das Meer im Wind. Ich lache mit meinen Schulfreundinnen und hüpfe. Seewasser füllt meinen Mund. Der Chauka ruft. Ich lache vor Freude. Wie kleine Fische. Meine Brüder und Schwestern spielen im Meer.
Ich nehme den Bus nach Lombrum. Die glitzernde See bei der Loniu-Passage ist melan- cholisch; langsam fährt der Bus über die Loniu-Brücke. Er bringt uns über die Lolak- Passage. Der Chauka ruft. Am Nachmittag kehrt der Bus in die Stadt zurück. Der Wind bläst mir ins Gesicht. Ich rieche das Meer. Die Sonne geht unter.
Die Sonne geht auf, Zeit in die Schule zu gehen. Ich höre die Nachrichten und Ankündi- gungen auf Radio Manus, ‚die Stimme von Chauka ist sehr glücklich, euch die Nachrich- ten und Ankündigungen zu bringen. Das ist die Stimme von Chauka‘. Der Chauka ruft. Unsere Großmütter und Großväter bleiben zurück. Wir gehen zur Schule. Die Meereswellen brechen sich am Strand. Der Chauka ruft.
Aufwachen, schlafen, essen und ins Bett gehen mit Chauka. Überall Glück und Arbeit. Kastom, der alte Brauch, Arbeit für Geld, Arbeit für die Regierung, Arbeit für die Kirche. Der Chauka ruft.“
Vor allem die allmähliche Abkehr von Kastom, dem uralten Brauch der sozialen Verpflich- tung zum Geschenktausch unterminiert den Zusammenhalt auf Manus… (S. 105-108)

 

Neuerscheinungen bei BABYLON Metropolis Studies und in anderen Verlagen 2017/2018

Ronald und Ursula DAUS

DURBAN – ESSAY ÜBER DIE KARRIERE EINER WELTSTADT

Durban - Coverblog

Die Monographie „Durban – Essay über eine Weltstadt im toten Winkel“ erscheint zum 30jährigen Jubiläum der ersten Stadtmonographie unseres Verlages im Jahr 1987: „Manila – Essay über die Karriere einer Weltstadt“ von Ronald Daus. Ihr sollten zwischen 1987 und 2017 in der Reihe „Großstädte Außereuropas“ weitere siebzehn Bände folgen.

Die Studie zeigt an exemplarischen Stationen den Werdegang der Stadt von ihren Anfängen am Rio de Natal – angeblich am Weihnachtstag 1497 so benannt von dem portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama auf seinem Weg nach Indien – über ihre britische Ära im 19. Jahrhundert, in welchem sie ihres Namens Port Natal verlustig ging und in D‘Urban/Durban umbenannt wurde, bis zur aktuellen Megametropole eThekwini Metropolitan Area, ihrer Bezeichnung in der Sprache der Zulu. Seefahrer, Reisende, Literaten, Künstler und Wissenschaftler erzählen von diesem Werdegang, ihrer sich ständig ändernden Gestalt in Architektur und Design, dem über Jahrhunderte gewachsenen Lebensstil zwischen stammesmäßig organisierten Zulus, konservativen Buren, imperialen Briten, zwangsrekrutierten indischen Zuwanderen, Abenteurern, Kolonialkriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen, Apartheidsgegnern und sonnenhungrigen Tourismusscharen.

Berühmte Einheimische prägten ihre Geschichte, wie etwa Nelson Mandela, der in der Nähe von Durban nach dem Besuch einer verbotenen Anti-Apartheid-Versammlung im Haus der indischen Apartheidsgegnerin Fatima Meer im Jahr 1962 von der Geheimpolizei verhaftet wurde. Fremde, die per Zufall mit ihr in Berührung kamen, wie der US-amerikanische Humorist Mark Twain, der indische Anwalt und Widerstandskämpfer Mahatma Gandhi oder der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, hinterließen ihre Spuren.

Das Durban des 21. Jahrhunderts versucht den aufreibenden Spagat zwischen der Rettung einer europäischen Stadtgründung des 19. Jahrhundert und ihrer Fortentwicklung zu einer Megametropole im 21. Jahrhundert mit den Bedürfnissen einer multiethnischen Gesellschaft in Einklang zu bringen. Deren schwarze Mehrheit fühlt sich noch immer in großem Maße von den Wohltaten dieser Entwicklung ausgeschlossen. Darüberhinaus möchte die geschätzt 3,5 bis 4 Millionen Einwohner zählende Hafenstadt am Indischen Ozean endlich im großen Orchester der global agierenden Weltstädte gleichberechtigt und anerkannt mitspielen.

Aus dem Inhalt: 

  • Zum Begriff der Weltstadt
  • Durban – ein „Weltstadt“-Sonderfall von der Gründung bis zur Gegenwart  
  • Die Bewohner und ihr Habitat  
  • Literarische Stadttouren und künstlerische Reflexionen  
  • Kunst-Sinn und Design-Gefühl einer multiethnischen Metropole  
  •  Eine „Weltstadt im toten Winkel“ sucht die globale Herausforderung  
  • Selbstvergewisserung: „Durban – ein Paradies“?

Über die Autoren: 

Ronald Daus (*1943), Seit 1970 Universitätsprofessor für Romanistik an der Freien Universität Berlin und Metropolenforscher. Er unternahm zahlreiche Forschungsreisen durch alle Kontinente und lehrte als Gastprofessor u.a. in Mexiko-Stadt, Singapur, Manila, Guam und Tahiti. Buchpublikationen u.a.: „Zorniges Lateinamerika – Selbstdarstellung eines Kontinents“ (1973); „Die Erfindung des Kolonialismus. Die Portugiesen in Asien“ (1983); „Manila – Essay über die Karriere einer Weltstadt“ (1987); „Großstädte Außereuropas“ (Bd. 1-3, 1990-1997); „Kolonialismus extrem. Geschichten vom Roten Meer – Bilder vom Pazifik“ (1998); „Strandkultur statt Stadtkultur. Die Metropolen des Mittelmeers zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ (2000); „Banlieue – Freiräume in europäischen und außereuropäischen Großstädten“ (Bd. 1-2, 2002-2003); „La Guajira. Wie ein wildes Land erzählt wird“ (2006); „Weltstädte“ (Bd. 1-3, 2006-2008); „Neue Stadtbilder – Neue Gefühle“ (Bd. 1-3, 2010-2012); „Die Spanier im Pazifik – Reloaded. 1520-2015“ (mit Ursula Daus, 2013); „Die Erfindung des Kolonialismus – Revisited“ (2014).

Ursula Daus (*1953), Dipl.-Soziologin und Architekturkritikerin. Von 1980 bis 1990 Redakteurin von „DAIDALOS – Architektur Kunst Kultur“, Bertelsmann, Berlin. Seit 1997 Chefredakteurin von „KOSMOPOLIS – Interkulturelle Zeitschrift aus Berlin“, Opitz Verlag, Berlin. Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, u.a. „DAIDALOS – Architektur Kunst Kultur“, Berlin; „Bauwelt“, Berlin; „Baumeister“, München; „Lettre International“, Berlin/Madrid; „Kyoto Journal“, Kyoto; „mare – Zeitschrift der Meere“, Hamburg. . Buchpublikationen u.a.: „Neues aus der Fließenden Welt. Japanische Ästhetik zum Ende des 20. Jahrhunderts“ (1998); „Ein trügerisches Idyll. Vom Lebensstil am Kap der Guten Hoffnung“ (2000); „Am Äquator. Tagebuch einer Forschungsreise durch Zentralafrika“ (2002); „Sehnsucht nach der Moderne. Tropisches Art Déco 1925-1950“ (2004); „Die modernen Barbaren im Westen Chinas“ (2007, 2. Auflage 2010); „Die Völker Polynesiens im 21. Jahrhundert“ (2010); „Die Erfindung paradiesischer Inseln. Der Indische Ozean im 21. Jahrhundert“ (2012); „Die Spanier im Pazifik – Reloaded. 1520-2015“ (mit Ronald Daus, 2013); „Neo-Eklektizismus. Auf der Suche nach einer Ästhetik für das 21. Jahrhundert“ (2015).

190 S., 64 Abb., Bibliographie.  ISBN 978-3-925529-34-4  37 €.

BABYLON Metropolis Studies. URSULA OPITZ VERLAG, Berlin 12/2017  

 

PARIS MEGALOMAN

Mit „Grand Paris Express“ möchte die französische Hauptstadt bis 2030 das größte städtebauliche Projekt Europas realisieren: 200 Kilometer neue vollautomatisierte Metro-Linien mit 68 „futuristischen“ Stationen, die sich reibungsfrei in das bestehende Netz aus RER, U-Bahn, und Buslinien einfügen. Diese urbane Transformation soll sowohl von architektonischen Leuchttürmen als auch von künstlerischen und kulturellen Projekten begleitet werden.

Passgenau zu dieser vollmundigen Ankündigung der „Société du Grand Paris“ im Frühjahr 2017 erschien im Rotpunktverlag die Studie von Günter Liehr „Grand Paris. Eine Stadt sprengt ihre Grenzen“. „12 urbane Exkursionen“ sollen auch Nicht-Kenner von Paris in die historische und aktuelle Stadttextur einführen, auf denen dann die Einschätzungen der Neuplanungen sowohl aus Sicht einiger kritischer Pariser als auch aus der Warte des Autors diskutiert werden.

Im vorletzten Kapitel folgt das Abschmettern all dieser als megaloman empfundenen städtebaulichen Veränderungen unter der Überschrift: „Propaganda und Proteste“ und den Unterkapiteln: „Gigantische Perspektiven“ und „Dubai ante Portas“.

Das letzte Kapital stellt immerhin die Frage: „Besseres Leben für alle?“ Die mit dem Stadtumbau eingeleitete Dynamik soll die sozialen Ungleichgewichte zwischen dem etablierten Paris und seiner bis heute abgehängten Banlieue ausgleichen. Doch die Unterkapitel „Gentrifizierung der Banlieue“ und „Verspätungstrauma“ zeigen auch hier die zukünftigen Verlierer bereits auf. Alle, die sich bisher in den Vorstädten in ihrem elenden Alltag eingerichtet hatten, werden noch weiter an den Rand der riesigen Agglomeration von derzeit mehr als 12 Millionen Bewohnern verdrängt werden. Was also tun? Die Frage bleibt weiter unbeantwortet – von den Initiatoren des „Grand Paris“-Projekts genauso wie von den Kritikern.    red

Grand Paris. Eine Stadt sprengt ihre Grenzen, von Günter Liehr. 296 S. Fotos und Planungen. 36 €. Rotpunktverlag, Zürich 2017

 

ANSICHTEN DER VERLORENHEIT

After the Fall“. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Shagan, Mittelkasachstan.
Foto © Dieter Seitz 2016.

Mit dem Fotoband „Nomads Land“ legt der deutsche Fotograf Dieter Seitz seinen subjektiven Blick auf die Details eines durch zahlreiche historische Brüche im 20. Jahrhundert verunsicherten Landes. Das rohstoffreiche Kasachstan ist nach Ansicht des Künstlers auf einem holprigen Weg seiner Selbstfindung, seit es vor 26 Jahren seine Unabhängigkeit von dem mächtigen Sowjetreich wiedererlangte.

Verfall, Verwahrlosung und Verödung werden übertüncht mit postmoderner Gebäude-Megalomanie, ausuferndem Kitsch sowie historischen und landschaftlichen Reminiszenzen der eigenen Geschichte und Region.

Die „Asphalt-Kasachen“, wie die neuen Stadtbewohner genannt werden, kennen die Steppe oft nur noch von bunten Fotomotiven auf Baustellenplastikplanen oder Werbepostern. Oft sprechen sie selbst ihre kasachische Sprache nur noch rudimentär. Russisch ist die Lingua Franca der unterschiedlichen Ethnien, die das weite Land von der Größe Westeuropas bewohnen.

Die Vereinzelung der Menschen zeigt sich schon beim Ablichten trauriger in die endlose, scheinbar horizontlose Weite starrenden Kinderaugen. Denn dort, wo einst die Zuz (Horde, kasachische Stammesförderation) das Leben des Individuums bestimmte und ein „Zuhause“ bereitstellte, bricht sich heute der Blick an verwitterten Betonmauern aus der Sowjetära, verrostenden Karrosserien oder beklebten Bauzäunen.

Der „eurasische Mensch“– so bezeichnet der auf Lebenszeit gewählte Staatspräsident die einst das Steppenland bewohnenden Nomaden, die Oralmani, die Russen, die wenigen verbliebenen ethnischen Deutschen oder Koreaner – wird im 21. Jahrhundert ein von modernsten Technologien bestimmtes Stadtleben führen und zu einer großartigen Regionalmacht zwischen Europa und China aufsteigen.

Dem deutschen Fotografen Dieter Seitz erschließt sich diese Sicht auf die Bewohner dieses zentralasiatischen Steppenlands nicht.

Ursula Daus

Nomads Land. The Kazakhstan Project, Fotos von Dieter Seitz, Essay von Markus Kaiser. 160 S. Deutsch/Englisch. 40 €. HatjeCantz, Berlin 2017

30 Jahre BABYLON Metropolis Studies URSULA OPITZ VERLAG 1985-2015

image
Unser Verlag BABYLON Metropolis Studies URSULA OPITZ VERLAG feiert sein 30jähriges Bestehen. 1985 mit der Reihe „Großstädte Außereuropas“ gegründet, erweiterten wir 1990 das Programm mit der Reihe „BABYLON Dichtung“. 1994 erschien der erste Band der „Kolonialismus-“Reihe und 1997 die erste Ausgabe unseres Magazins „KOSMOPOLIS – Interkulturelle Zeitschrift aus Berlin“. Seit 2013 finden sich aktuelle Beiträge auch auf unserem BLOG „babylonmetropolis.wordpress.com“.

In der Reihe „Großstädte Außereuropas“ versammeln sich Untersuchungen über den Paradigmenwechsel in der globalen Wahrnehmung großstädtischen Lebens, wie er sich seit den 1960er Jahren rund um den Globus manifestiert. Kolonialeuropäische und lokale Elemente verschmolzen zu einem unauflöslichen Amalgam. Dieser neuen Sachlage nahmen sich zu Beginn vor allem Intellektuelle und Künstler an. Sie schufen in dichterischen Texten, Bildern oder Installationen individuelle und kollektive Lebensentwürfe in einem ganz eigenen Dekor. Die Stadtentwicklung folgte ihnen – von einem imaginierten Modell zu einer oft überwältigenden Realität. Die Metropolen Außereuropas übernahmen für sich den Titel der „Weltstadt“ und perfektionierten ihn im 21. Jahrhundert.  Die klassischen Weltstädte Europas sahen sich gezwungen, diese neuen Konkurrenten ernst zu nehmen. So erweiterte sich auch das Spektrum unserer Publikationen, hin zu einer detaillierteren Untersuchung der kolonialen Vorläufer dieser „Weltstädte“ und über den aktuellen Zustand hinaus. Die Literatur, die Kunst und die globale Vernetzung durch das Internet veränderten die Sicht auf diese Agglomerationen erneut.

Mit unserem Magazin „KOSMOPOLIS – Interkulturelle Zeitschrift aus Berlin“ schufen wir ein Medium, das diese Entwicklungen mit aktuellen Beiträgen begleitet. Zu unseren kosmopolitischen Autoren zählten in den letzten Jahren Nobelpreisträger wie Herta Müller, Mario Vargas Llosa oder der spanische Bestseller-Autor Manuel Vázquez Montalbán.

Wir freuen uns auf die Zukunft, denn das „permanente Chaos“ in unseren zeitgenössischen Mega-Metropolen benötigt eine profunde intellektuelle Begleitung. red

Unsere Herbstneuerscheinung 2014 bei BABYLON Metropolis Studies

Die Erfindung des Kolonialismus – revisited

Aktualisierte, erweiterte und überarbeitete Auflage

(November 2014, 846 S., 84  Abb., Bibliographie, Karten, Ortsregister, 69,00 €  ISBN: 978-3-925529-32-0)

Ronald Daus

Der „Director’s Cut“ eines Klassikers!
Für Bibliophile gibt es ab Januar 2015 eine in japanisches Seidenpapier mit Lederrücken und Goldprägung gebundene Hardcover-Ausgabe!

goldhelm1-1
Portugiesischer Helm aus dem 16. Jahrhundert im Besitz eines Dorfältesten auf Ambon. Foto R & U Daus
Mit diesem Buch halten die Leserinnen und Leser die aktualisierte, erweiterte und überarbeitete Version meines 1983 publizierten Bandes „Die Erfindung des Kolonialismus“ in Händen. Die Erforschung der Beweggründe, die zur ersten Globalisierung durch die Europäer führten, hat in Zeiten der zweiten Globalisierung im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Brisanz verloren.
Denn die Grundlagen einer neuen Weltordnung basieren nicht mehr vorrangig auf dem Besitz territorialer Großreiche, sondern auf der Kontrolle von Informations-, Kapital-, Güter- und Menschenströmen. Diejenigen Globalstrategen, die in der Tradition der Seeherrschaft stehen, werden dabei wohl die Oberhand behalten. In der Nachfolge der europäischen Expansion verfahren sie nach dem Vorbild der ersten großen europäischen Kolonialmacht, Portugal. Es hatte sich mithilfe seiner Seestreitmacht und gezielt implantierter Brückenköpfe die Kontrolle der Waren- und Informationsströme zwischen Europa und Asien gesichert.
Mit „Buch II. Beschreibungen: Textsorten des portugiesischen Kolonialismus“ wurde das in der 1. Ausgabe vollständig fehlende Kapitel in den Zusammenhang des Gesamtwerks gestellt, das die literarische Aufarbeitung des kolonialen Abenteuers durch die portugiesischen Zeitgenossen bereithält. Des weiteren wurden alle gekürzten Textstellen wiederhergestellt. Die neu eingefügten Abbildungen wurden substantiell mit Ergebnissen meiner aktuellen Forschungsreisen erweitert sowie die Bibliographie mit gekürzten und aktuellen Titeln vergrößert. Es wurde ein Ortsregister angefügt.
Erfindung - Cover-1
Aus dem Inhalt:
Zum Auftakt 7
Vorbemerkung 13
BUCH I
Entwicklung: Von der Erweiterung des Horizonts zur Verengung des Geistes 21
1. Die Vorstellung der Europäer vom Fernen Osten 23
2. Die Realisierung des Seewegs nach Indien 61
3. Die Eroberung des asiatischen Handels 81
4. Das Alltagsleben im portugiesischen Kolonialreich 109
5. Die Rückwirkungen des Kolonialismus
auf Portugal 149
6. Der Niedergang der portugiesischen Herrschaft 185
7. Das Überdauern eines Imperiums 227
Buch II
Beschreibungen: Textsorten des portugiesischen Kolonialismus 265
1. Über den Reiz und das Risiko kolonialer Literatur 267
2. Nachrichtendossiers: Die Summe des Wissens für ein paar Mächtige 279
3. Historien: Wunsch- und Schreckensbilder für die Allgemeinheit 293
4. Irrfahrten: Die Entdeckung der Fatalitäten des Kolonialismus 319
5. Schöne Literatur: Die Kunst des Verschweigens und Überhöhens 333
6. Koloniale Literatur nach 1620: Ein Fortschreiten zum Rückschritt 355
7. Literatur der Kolonialisierten: Die Antwort an Europa 389
erfindung - novaguinea
BUCH III
Strukturen: Der Glaube an den ewigen Vorsprung Europas 407
Erster Teil: Kontakte 409
1. Über die Mühsal der Europäer, ihrem Willen recht zu geben 409
2. Der Wunsch nach dem Unter-Sich-Sein 429
3. Die Verewigung nach „Oben“ und „Unten“ 445
4. Die Beliebigkeit von Regeln 485
5. „Der typische Kolonialist“ 499
6. Tragik als Endresultat kolonialer Herrschaft 515
Zweiter Teil: Selbsterfahrung 531
1. Die Entdeckungsreise ins „Neue“ 531
2. Die Autonomie des Fremden 549
3. Die Nützlichkeit von Vergleichen 591
4. Die Tradition kolonialer Selbstkritik 615
5. Zwangsläufige Entfremdungen 633
Buch IV
Vermischung und Vererbung: Portugiesisch-eurasische Gemeinschaften in Südostasien 651
1. Über das Machtstreben als Grundstruktur des Kolonialismus 653
2. Malakka: Seit 1511 „portugiesisch“ 661
3. Tugu: Der gerade Weg vom „Asiaten“ zum „Europäer“ 701
4. Larantuka: „Portugiesische“ Macht ohne Portugal 723
5. Singapur: Die „Eurasier“ im Herzen einer Metropole 761
Anhang 783
Über den Autor 785
Literaturhinweise 787
Literaturverzeichnis 802
Ortsregister 828
Karten 837

Neuerscheinung von BABYLON Metropolis Studies auf der Frankfurter Buchmesse 2013 bei „Books on Brazil“

Neue Stadtbilder – Neue Gefühle [Band 3]

Das permanente Chaos

Ronald Daus

„Neue Stadtbilder – Neue Gefühle“, Band 1-3
Foto R & U Daus, 2012
Die dreibändige Serie „Neue Stadtbilder – Neue Gefühle“ zeigt, daß sich ein neues System des Verständnisses großer Städte rund um den Erdball in Gang gesetzt hat.Der 3. Band „Das permanente Chaos“ befasst sich mit den aktuellen Megametropolen des Globus. Beschreibend und analysierend, intellektuell und künstlerisch verläuft der Weg Richtung Osten bis nach Eurasien: Berlin, Warschau, Minsk, Moskau, Bischkek, Almaty und Astana heißen die Stationen. In eine großangelegten Volte kehrt dann der Blick zurück aufs Ganze, auf die extrem inspirierenden Großstädte des Orients, Asiens, Afrikas und Lateinamerikas: Wien, Istanbul, Teheran, Bombay, Chengdu, Peking, Johannesburg, Kapstadt, Manaus, Caracas.< Von Berlin nach Astana: Eine Reise von Berlin über Posen, Warschau, Minsk, Moskau, Kasan, Bischkek, Almaty nach Astana>< Europa: Wien>
< Orient: Istanbul, Teheran, Bombay/Mumbai>
< Ferner Osten: Peking, Chengdu, Tokio>
< Südafrika: Kapstadt und Johannesburg>
< Südamerika: Manaus, Caracas>
< Gags und Glossen aus aller Welt>
September 2012
ISBN:978-3-925529-30-6
Seitenanzahl:342
Abbildungen:54
Sonstiges:Bibliographie, Karten, Personen- und Ortsregister
Preis:Euro 44.00
Zu beziehen über jede Buchhandlung oder direkt bei babylonmetropolis@yahoo.de

Neuerscheinung bei BABYLON Metropolis Studies URSULA OPITZ VERLAG

Die Erfindung paradiesischer Inseln

Der Indische Ozean im 21. Jahrhundert

Foto R & U Daus, 2010
Foto R & U Daus, 2010

Ursula Daus

Die Studie beschäftigt sich mit der Frage, wie aus einst unwirtlichen, Jahrtausend von Menschen unbewohnten Eilanden zwischen Arabien, Afrika und Indien sogenannte „Inselparadiese“ für Kurzzeitbewohner – Touristen, Zweithausbesitzer und reiche Wirtschaftsflüchtlinge – wurden und dieses Phänomen ihren derzeitigen Bewohnern den Lebensunterhalt und oft sogar einen relativen Wohlstand gewährleistet.Im Fokus stehen dabei die Seychellen, Sansibar, die Comoren, Nosy Be bei Madagaskar, La Réunion, Mauritius und die Malediven.Rückblenden in die Geschichte, hier vor allem die arabische, persische und indische Besiedlung sowie die europäische Kolonialgeschichte werden in Zusammenhang mit den aktuellen gesellschaftlichen Besonderheiten der einzelnen Inseln gesehen. Eine blühende aktuelle Literaturproduktion genauso wie die inseleigenen Welt-Musikszenen geben Auskunft über die Zukunftsvorstellungen ihrer in der Mehrheit jungen Bewohner.
Aus dem Inhalt:
I. Die Erfindung „paradiesischer Inseln“
II. Kurze Geschichte des Indischen Ozeans
1. Geopolitische Besonderheiten
2. Araber, die ersten Routiniers der Seefahrt im
Indischen Ozean
3. Das „Portugiesische Weltmeer“
4. Tummelplatz europäischer Kolonialmächte
5. Zeitenwende der Seefahrt
6. Das „Goldene Dreieck“ der Piraterie, des Schmuggels und der Finanzjongleure
III. „Paradiesinseln“ im Indischen Ozean
1. Seychellen: „Das vergewaltigte Paradies“
2. Komoren: „Das vergessene Paradies“
3. Nosy Bé: „Das versteckte Paradies“
4. La Réunion: „Das herbe Paradies“
5. Mauritius: „Das erfolgreiche Paradies“
6. Malediven: „Das künstliche Paradies“
IV. Epilog:
Sansibar: „Das erzählte Paradies“
Bibliographie/Karten
Datum:Juni 2012
ISBN:978-3-925529-31-3
Seitenanzahl:252
Abbildungen:46
Buchformat:22,5×14,5
Sonstiges:Karten, Register
Preis:Euro 39.00
zu beziehen über: babylonmetropolis@yahoo.de oder über Ihre Buchhandlung
Top

Neue Stadtbilder – Neue Gefühle [Band 2]

Zeichnung D. Chmelnizki, 1997

Die Package-City: Berlin

Ronald Daus

Die dreibändige Serie „Neue Stadtbilder – Neue Gefühle zeigt, daß sich ein neues System des Verständnisses großer Städte rund um den Erdball in Gang gesetzt hat.Der zweite Band befasst sich mit der protoypischen „Package-City“ am Beispiel Berlins.Die „Package“-Methode nimmt oft ganz beliebige Fragmente „spielerisch“ wahr. Es gibt weder Vergangenheit noch Zukunft, allenfalls den Plan rasch organisierter „Events“. Stadtplaner, Architekten, aber auch Künstler und Literaten antworten auf diese geplanten Spontan-Inszenierungen ebenso pragmatisch wie hilflos.Aus dem Inhalt
  • Der totale Verzicht auf Orientierungen
  • Von der Festungsstadt zur schöngeistigen Kulisse
  • Weltstadtträume
  • Weltstadtwahn
  • Geteilter Neuanfang im Unfertigen
  • Eingemauerte Kultstadt
  • Alternative Spaßgesellschaft Berlin-West
  • Fiktion (Ost) gegen Realität (West)
  • Postmoderne Endzeitstimmung
  • Zeit der Experimente und Opportunitäten
  • Frohe Aussichten
Top

Neue Stadtbilder – Neue Gefühle [Band 1]

Lissabon 2011 Archiv R & U Daus, 2011

Europäische Stadtanlagen als Weltmodell

Ronald Daus

Die dreibändige Serie „Neue Stadtbilder – Neue Gefühle“ zeigt, daß sich ein neues System des Verständnisses großer Städte rund um den Erdball in Gang gesetzt hat.Der erste Band befasst sich mit den „steinernen“ Ursprüngen der Megametropolen in Amerika, Asien, Afrika und Ozeanien im Zuge des europäischen Kolonialismus. Am Beispiel der derzeit teuersten Metropole der Welt, der angolanischen Hauptstadt Luanda, wird die historische Synthese in die Zukunft transportiert. Ausdruck dafür sind in der II. Dekade des 21. Jahrhunderts neben einer spekulativ überbordenden architektonischen Stadtlandschafte eine bommende Literatur-, Kunst- und Musikszene, als deren kosmopolitischster Vertreter der angolanische Schriftsteller José Eduardo Agualusa gilt.Aus dem Inhalt

  • Überraschende Geistesblitze
  • In Stein gehauene Vergangenheit
  • Die weltweite Expansion kolonialer Stadtanlagen: Portugal, Spanien, Niederlande, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien
  • Luanda: Jahrhunderte der Akkulturation
  • Die Ausgangslage
  • Vom Provisorium zur Festungsstadt
  • Dichterische Freiheit statt kolonialer Norm
  • Der Wille zur Selbstbestimmung
  • In der Hölle der Gegenwart
  • Nach dem Alptraum
  • Absurde Zukunftszenarien
  • Epilog

„Die Welt verändert sich aktuell in rasantem Tempo. Und nur wenige nehmen wahr, daß diese Transformation „das Ende des Atlantischen Zeitalters“ bedeutet und nicht „das Ende der Ideologien“, wie es Fukuyama fälschlicherweise nach dem Fall der Berliner Mauer prognostizierte. Einer, der diese Umwälzungen mit besonderem Interesse beobachtet ist Ronald Daus, Professor für Romanistik und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin, ein weltreisender Gelehrter, der sein ganzes Berufsleben der literarischen und kulturellen Erforschung romanischer Kulturen in Europa und außerhalb Europas widmet. Sein weitgefächertes Publikationswerk verbindet in interkontinentalen Vergleichen die Kolonialgeschichte Europas mit der Moderne, die Entwicklung der Weltstädte Europas und Außereuropas anhand von literarisch-künstlerischen Reflexionen.

Seine vorliegende Studie in drei Bänden heißt dementsprechend: „Neue Stadtbilder – Neue Gefühle.“ Der hier gewürdigte erste Band „Europäische Stadtanlagen als Weltmodell“ unterteilt sich in zwei Hauptkapitel.

Der 1. Teil, „In Stein gehauene Vergangenheit“, stellt die Expansion der europäischen Kolonialmächte Portugal, Spanien, Niederlande, Groß-Britannien, Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien in den Mittelpunkt. Anhand der von ihnen gegründeten „Stadtanlagen“, entsprechend der jeweiligen Besonderheiten ihres Heimatlandes, wird die Eroberung und Besetzung des fremden Territoriums gezeigt. Ein grosser Verdienst der vorliegenden Untersuchung ist die Darlegung der konkreten Formen, d.h. der jeweiligen Stadtgestalt, in welcher die intellektuellen und kulturellen europäischen Projektionen sich äußerten. Die Entkolonisierung Mitte des 20. Jahrhunderts und das Ende des kalten Krieges mit dem Fall der Berliner Mauer leiten eine neue Phase für die einst kolonialen Stadtgründungen in Afrika, Lateinamerika und Asien ein.

Im 2. Teil, „Luanda: Jahrhunderte der Akkulturation“, wird die explosive und chaotische Entwicklung der boomenden Hauptstadt des ölexportierenden afrikanischen Staates Angola vorgeführt.

Ihre Geschichte beginnt 1575. Gemäß dem Vorbild der Hauptstadt Lissabonn entstanden Gebäude und Straßenzüge. Daus zeigt dabei die enge Verbindung, die der afrikanische Handelsplatz schon früh mit dem brasilianischen Pendant Bahia einging. Denn Luanda war der Ausgangspunkt für den Handel mit afrikanischen Sklaven. Die mehr als 400 Jahre lange Geschichte Luandas werden anhand literarischer und künstlerische Werke präsentiert. Sie dienen als Beleg für die unumkehrbare Akkulturation seiner afrikanischen Bewohner. Mithilfe der portugiesischen Sprache wurde eine „Identität“ geschaffen, die die einheimischen Dichter und Intellektuellen auch im 21. Jahrhundert bestimmt. Die Werke des postmodernen angolanischen Autors José Eduardo Agualusa nutzt Daus als Sprachrohr für den geistigen und physischen Zustand des aktuellen und zukünftigen Luandas, wo permante chaotische und absurde Gegenwart herrscht.“

Dr. Luis Pulido Ritter, Panama-City/Berlin, im März 2012


Neugierig geworden? Weitere Details und Bestellmöglichkeiten finden Sie auf der Homepage des Verlages: Neue Stadtbilder  – Neue Gefühle [Band 1]